GALERIE Anke Zeisler
 
 
 
Bernd Kerkin
works on eva hesse 90

2008
Acryl
90 x 60 cm


Preis:
Anfrage




Heute finde ich eine Karte im Briefkasten. Sie kommt vom andern Ende der Welt. „Liebe Grüße aus der Hitze. Bernd Kerkin“ Wieder einmal ist er unterwegs, in Australien. Wenige Tage vor der Eröffnung seiner Ausstellung wird er zurück sein und Werke bringen aus seinem jüngsten Projekt, das er der früh verstorbenen großen Künstlerin Eva Hesse widmet.
Der in Bernau bei Berlin geborene Künstler bereiste in den letzten zwanzig Jahren Südamerika, die Osterinsel, Australien, Neuseeland. Es zieht ihn in weit entfernte und vor allem entlegene Regionen, zu alten Kulturen. Die Ursprünge, das Elementare des Beginns, die archaische Schönheit seiner Fragmente ziehen ihn an.
Er geht hinaus, er will nicht nur in Büchern lesen und in Museen schauen, sondern am Ort das Original, das von einer frühen, versunkenen Welt geprägte Heute erkunden und befragen.
Das Hinausgehen ist bei ihm direkt verbunden mit einer Einkehr in eine innere Welt. In der äußeren sucht er das Innere (s)eines Wesens. Dazu scheint ihm kein Weg zu weit, das Ungewisse, das Risiko nicht zu hoch zu sein. Der Motor dieser Unruhe ist das Herz – im poetischen Sinn; eine frühere Werkgruppe von Graphitzeichnungen nannte er „heartland“. Da schließen sich seine neueren „Works on Eva Hesse“ wie Sehnsuchtsgebilde an. Hier offenbart er seine spät entdeckte Nähe zu der Künstlerin, deren Werke homogene Verbindungen sind von spröden und weichen, technoiden und biomorphen Werkstoffen, einer introvertierten, sehr persönlichen Form der Minimal Art.
Indem auch Kerkin das Figurative hin zur linearen Struktur, zum Monochromen minimalisiert, geht er von der Expression zur Verinnerlichung, vom Bestimmten (Gegenstand) zum Unbestimmten und damit zum Offenen. Mit dieser Zurücknahme und Sublimierung des Ausdrucks führt er unsere Aufmerksamkeit auf eine sensiblere Ebene und verfeinert nun diese ihrerseits.
Getrocknete Farbtropfen oder Rinnsale, sanfte lineare Wölbungen oder aufgeschlitzte Farbflächen versetzen uns in einen emotionalen Raum –- verwandt denen, die auch Joseph Beuys oder Eva Hesse mit ihren Werken hervor brachten – , der das Fragile wie das Gnadenlose vergegenwärtigt.


Biografische Angaben
1951   * in Bernau
1969   Abitur, Betonfacharbeiter
1973   Architekturdiplom, TU Dresden
bis 1979   Architekt in Frankfurt(Oder) und Berlin
1980   freiberuflicher Korrektor
seit 1984   Maler und Grafiker
            „Artist in Residency“ der Stadt New York

Preis und Stipendien
1992   Wilhelm-Höpfner-Preis
            Stipendium Schloss Plüschow
1993   Stipendium Stiftung Kulturfonds
1997   Stipendium Schloss Wiepersdorf
1998   Stipendium VCCA, USA
            Stipendium Kunstverein Röderhof
2000   Stipendium Land Mecklenburg Vorpommern
            Stipendium Stadt Neubrandenburg

Ausstellungen (Auswahl)
1987   Neustrelitz, Museum
1988   Kopenhagen, Kunstcenter Gammelgaard
1989   Berlin, Galerie Weißer Elefant
            Szczeczinek / Polen, Museum
1990   Neubrandenburg, Torgalerie
1991   Berlin, Galerie Rotunde im Alten Museum
1992   Stendal, Winckelmann Museum
1993   Nelson /Neuseeland, Bishop Suter Gallery
            Neubrandenburg, Kunstsammlung
1994   Rostock, Kunsthalle
            Hamburg, NDR
1995   Schmiedenfelde, Künstlerhaus
1996   Berlin, Galerie Inga Kondeyne
1997   Schwerin, Kultusministerium MV
            Wiepersdorf, Schloss
1998   Neustrelitz, Galerie für gegenwärtige Kunst
            Rostock, Kunsthalle
1999   Ribnitz-Dammgarten, Galerie im Kloster
2000   Berlin, Galerie M
2001   Neubrandenburg, Kunstsammlung
            Berlin, Studio für Bildende Kunst
2003   Dresden, Technische Universität
2004   Berlin, Galerie Schwartzsche Villa
2005   Melbourne, Thierry B. Gallery
2007   Bernau, Galerie
2008   Neustrelitz, Galerie für gegenwärtige Kunst

Werke Befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen
u. a. Kunstsammlung Neubrandenburg, Kupferstichkabinett der Nationalgalerie Berlin, Museum of Modern Art New York
 
 
Galerieblatt 2009
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