GALERIE Anke Zeisler
 
 
 
Manfred Zoller
Komposition 5
2008
Öl auf Hartfaser
61 x 81 cm


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Der Anatom    M a n f r e d    Z o l l e r    hatte frühzeitig seine wissenschaftliche Arbeit von der medizinischen Seite dieses Faches auf eine von ihm gewissermaßen neu geschöpfte Anatomie der Kunst verlagert. Diese Neuschöpfung scheint sich der Methode des naturwissenschaftlichen Faches – Öffnen, Freilegen, Beschreiben, Analysieren, Systematisieren – und ihrer Erkenntnisse zu bedienen und diese zugleich zu erweitern um das Eigene seiner Kunst, das heißt der Verknüpfung von Wissen, Denken und Poesie in seinem malerischen und skulpturalen Werk. Wollte man vom Thema seiner Malerei sprechen, so wären es „Farbklänge“, „die Verbindung von Komposition und Farbe“ wie er sagt. Komposition 5 aus dem Jahr 2008 ist eines dieser Bilder, zu denen er im Laufe der Jahre hingearbeitet hat. Seine Kunst bewegte sich weg vom Gegenstand, weg von der Figur, die er seiner Malerei mehr und mehr anverwandelte, um letztlich Klänge von Farben in subtil ausgearbeiteten Kompositionen zu schaffen. Die malerische Delikatesse, das fast Kulinarische in diesem Bild wird durch die Strenge der Linien und Flächen, das Schroffe des Hell-Dunkel in ein ästhetisches Gleichgewicht gebracht. Nicht die genial dahin geworfene malerische Geste, sondern das ganze Gegenteil führt Zoller uns vor Augen: die verhalten und darin überaus fein und überlegt gesetzte Farbe als Konstrukt eines bildnerischen Ästheten und eines nach Gültigkeit Strebenden. Der schnelle Zugang freilich wird uns verwehrt. Das Tempo, mit dem wir Bilder zu erfassen gewohnt sind, gilt hier nicht. Der Künstler bremst unsere Geschwindigkeit zu einem vielleicht gefühlten vorübergehenden Stillstand. Tatsächlich bedeutet dieser ein Innehalten, Konzentration und Versenkung – in ein Bild voller Rätsel, denn es hat Formen, Konturen, ein Davor und Dahinter. Es suggeriert Gegenstand und Räumlichkeit, die uns aber dann beim Vergleichen sofort wieder entgleiten und jeder Anlauf misslingt aufs Neue. Philippe Jaccottet lässt in seinem Buch den Maler Giorgio Morandi diesen wunderbaren Satz sagen: „Alle, die gezeichnet und gemalt haben, seit den ersten, auf Höhlenwände geworfenen Strichen, haben bewusst oder unbewusst dasselbe getan: zarte Zeichen, ein Windesrauschen in den Blättern der drohenden Leere entgegensetzen.“
Anke Zeisler


Biografische Angaben

1947   * in Zeitz
1966   Abitur, Grundwehrdienst, Arbeit in verschiedenen Berufen
1969-79   Medizinstudium, Arbeit am Anatomischen Institut Rostock
            während des Studiums Beginn intensiver künstlerischer Tätigkeit, wichtige Anregungen von Johannes Müller
seit 1979    freiberuflich als Maler und Grafiker Meisterschüler bei Gerhard Kettner
            an der Hochschule für Bildende Künste Dresden
1985-90   Leitung der Abteilung Künstleranatomie an der Hochschule für Bildende Künste Dresden
seit 1990   Lehrtätigkeit an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee
1993   Berufung zum Professor
2001   Lehrbuch „Gestalt und Anatomie. Ein Leitfaden für den künstlerischen Weg“, Dietrich Reimer Verlag Berlin
2008/09   Gastprofessur an der Deutschen Universität Kairo (GUC) im Wintersemester
2009   Gastprofessur an der Universität der Künste Tokio im Sommersemester

Arbeiten in Sammlungen und Museen (Auswahl

Nationalgalerie und Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Berlinische Galerie, Märkisches Museum Berlin, Staatliches Museum Schwerin, Museum Potsdam, Kunsthalle Rostock, Kulturhistorisches Museum Rostock, Staatliche Kunstsammlungen Neubrandenburg, Städtisches Museum Schloss Salder/Salzgitter, Utsuomiya Museum of Art/Japan, Kunstsammlungen Chemnitz
 
 

Faltblatt 2009
Ostsee-Zeitung 29.8.2009
Märkische Allgemeine 17.11.2009
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